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Critique - Hanno scritto di lei...

 

Cinzia Bollino Bossi, gennaio 2004

Nach dreissig Jahren täglichen und unaufhörlichen Beschäftigens mit der Malerei – denn auf so viele kann Silvia Battisti bereits zurückblicken – tut ein Rückblick auf ihre Werke als Ganzes Not, um noch einmal in die Vergangenheit zu schauen und dort Andeutungen und Gründe für ihre heutigen Werke zu entdecken.

on ihrer zwanglosen und expressionistischen Zeichensprache der 70’er Jahre ausgehend ist die Künstlerin dann zu einer geometrischen Abstaktion übergegangen, die Raum und Farbe misst und abwiegt. Innerhalb dieser Farbzonen sind zwischen den 80’er und 90’er Jahren die ersten hebräischen Buchstaben erschienen, die sie schon damals eher aufgrund des bildlichen und ermahnenden als des fonetischen und semantischen Wertes dieser Schrift benutzt hat. Im Anschluss daran sind auf der Leinwandoberfläche heterogene Materialien aufgetaucht, die sowohl als Fundament, als auch zur Erzeugung von Spannung und als Vorsprünge und Umfänge verwendet wurden.

eute scheinen die Werke von Silvia Battisti ein Wimmeln von Buchstabenzeichen zu sein, die innerhalb genau abgegrenzter Flächen der Malerei abgebildet sind. Doch gehören diese Buchstaben, die nach einem deutlichen und rhythmischen Muster gezeichnet sind, keinem Alphabet an, außer einem eigenen, einmaligen, vollkommen persönlichen, das die Gesten der Künstlerin und die Häufigkeit ihres Atmens misst. Dieses Alphabet gehört zu keiner gesprochenen oder sprechbaren Sprache, und die Buchstaben bilden durch ihre Anordnung einen sichtbaren Rhythmus, aber keine Worte.

enn überhaupt sprechen Silvia Battistis Bilder auf eine andere Weise zu uns – durch die Objekte die man in ihren Werken finden kann, und durch die Spannung des Alltäglichen, das uns Allen gemeinsam ist. Durch diese Objekte spricht Silvia Battisti vom Menschen und als Folge davon von der Gesellschaft und dem historischen Moment, in dem wir leben. Vorausgesetzt dass das Interesse an diesen Objekten durch ihre besonderen Eigenschaften – Formen, Farben, Materialien – hervorgerufen wird, kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Künstlerin durch sie Metaforen und Andeutungen hervorbringt.

ber es gab eine Zeit, in der diese Objekte noch keine armseligen Dinge, die wir Alle gemeinsam hatten, waren, sondern Kostbarkeiten die dem Bild zufällig oder mit Absicht überlassen wurden, Schmuckstücke, die in das Gemälde hineingesetzt wurden. Nicht so sehr aufgrund ihres dekorativen Wertes, sondern eher um anzuerkennen, dass diese Dinge Einem überlassen wurden, und dass der Abstand zu ihnen durch die Übergabe gereinigt wurde. Das Werk ist der Schrein, der das, das wir nicht mehr benötigen, konserviert und hervorhebt.

ine Selbstverständlichkeit ist es, dass das Gold und Silber eine Idee des Heiligen heraufbeschwören. Es taucht in vielen Werken von Silvia Battisti auf, obwohl es nicht in der ausdrücklichen Absicht der Künstlerin liegt.

arum? Vielleicht weil wir dazu neigen das Heilige dort zu entdecken, wo das Unsichtbare und Unkenntliche ist. Oder weil das Heilige, eher einer magisch-rituellen als einer religiösen Auffassung nach, sich nur gegenüber wenigen Auserwählten in Form von Zeichen als verständlich enthüllt.

der vielleicht weil wir die Erfahrung des Heiligen in etwas wiederfinden, das mehrere unserer Sinne beinhaltet. Die Werke von Silvia Battisti befinden sich außerhalb der Grenzen der Malerei, da sie aufgrund ihrer Vorsprünge dreidimensional wirken und man sie berühren muss.

ber vor allem ist Gesang in diese Werke miteinbezogen, sie sind voll von einer implosiven Musik. Diese wird einerseits von den Saiten der Musikinstrumente hervorgerufen – die wir anfassen, anstoßen und zusammendrücken dürfen und müssen – andererseits ist sie im Innern der Buchstaben versteckt, die ja gerade keine Worte, sondern vage Klangeinheiten formen.

eute besteht Silvia Battistis Kunst aus einer Einheit von ganz persönlichen, rhythmischen und materiellen Räumen und Zeichen. Sie erzählt von der heutigen Zeit, und in ihr werden die Elemente der sichtbaren Sprache frei und unbewusst zusammengesetzt, beinahe als wäre man vom Surrealismus inspiriert. Ein Bild von Silvia Battisti ist eine Art  „tableau blanc“ , das jeder mit seinen eigenen Erlebnissen vervollständigen kann.

o ist es auch kein Zufall, dass die Künstlerin oft den Ort begrenzt, an dem sich die Handlung abspielt. Ihre Zeichen und Objekte sind fast nie vollständig im Gemälde, sondern werden von einer festen Form zurückgehalten, z.B. einer Seite, oder einem Moment.

Rundum ist Platz für die Farbe oder gerade für keine Farbe. Und für die Zeichen, die eine Form annehmen.

Rundum ist Platz für Anderes, und Andere. Oder einfach zum Nachdenken.

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Alessandra Montalbetti
2003

In diesem Beitrag werden Sie nichts über Silvia Battistis Biografie finden, und auch keine Verweise auf ihren Hintergrund oder ihre Ausbildung, darüber können Sie alles in anderen Teilen dieses Kataloges lesen. Ich hingegen möchte gerne das beschreiben das passieren kann, wenn man die Bilder dieser Künstlerin anschaut. Auf den ersten Blick ist es einfach ein erstes Niveau in ihren Bildern zu entdecken, eine erste „oberflächliche Annäherung, weil unsere Augen ihre Materie streifen, eine reiche, sensuelle und dichte Materie, und von ihr eingesperrt werden, während unsere Hände ein beinahe fysisches Verlangen spüren, sie zu streicheln

.“Die Dimension der Werke dieser Künstlerin ist nicht gewaltig, und daher bilden wir uns um so mehr ein die Gefühle kontrollieren zu können die diese kleinen „Leinwände“, die wir in unseren Händen halten können, in uns verursachen.Doch dann, ganz allmählich, wenn wir das Glück haben um uns herum und in uns ein wenig Ruhe zu finden – was in unserem hektischen Leben ja beinahe eine Unmöglichkeit, in einigen Momenten jedoch eine Notwendigkeit ist – drängt sich langsam ein kleiner Zweifel in uns auf der uns dazu zwingt, anzuhalten, zurückzugehen und diese Werke erneut mit grösserer Aufmerksamkeit zu betrachten. Dann werden wir entdecken dass diese Oberfläche, die uns gerade wegen ihres Reichtums angezogen hatte, uneben, durchlöchert, unterbrochen und von tausenden von kleinen Zeichen durchzogen ist, die innehalten und auf Hindernisse treffen, unerwartete diagonale und senkrechte Risse. Niemals waagrechte Risse, die uns aufgrund ihrer Ruhe dorthin zurückführen könnten wo wir aufgebrochen waren, und uns damit beruhigen. Auf der rechteckigen Leinwand öffnen sich unerwartete Dimensionen die uns beinahe tiefe Abgründe enthüllen, als ob die anfängliche Sicherheit einer Schönheit nichts weiter als vergänglich und äusserst illusorisch war.

Die Künstlerin weiss dies genau, sie kennt diese Fallgruben und präsentiert sie uns, damit auch wir den Rausch der ersten Illusion spüren, die überhaupt nicht von der unglaublich harten Realität getrennt ist. Wenn die erste Ruhe erst einmal zerrissen ist, bemerken wir einen fernen Schrei der immer und immer näher kommt und immer lauter wird. Und wir sehen die präzisen Zeichen die sich kreuzen und einander verfolgen, als ob sie auf der Suche nach einem neuen Alfabet wären mit dem nicht versucht werden soll, uns einen neuen Sinn des Lebens näher zu bringen, sondern den alten, der immer galt, und den wir jeden Tag verloren haben und vielleicht wiederfinden können, wenn wir nur einmal innehalten würden, genauso wie die Künstlerin inngehalten hat. Innegehalten um zu medietieren, nachzudenken, zu träumen, vielleicht davon wie sehr unsere heutige Sprache einer jeden Bedeutung entbehrt und ihre grundlegende Funktion verloren hat, so dass wir die Zeichen zwar erkennen, aber ihnen nicht mehr dieselbe Bedeutung beimessen.

Während wir uns auf brutale Weise, wie etwa aufgrund von Kriegen und den Grausamkeiten die durch sie entstehen, vor einer pessimistischen Auffassung des Lebens, des Menschen und seinem bestialischen Verhalten wiederfinden könnten, überrascht uns die Künstlerin so auf’s Neue, weil sie uns durch ihre tiefe Menschlichkeit wenn schon nicht eine Strasse, so doch einen Pfad zu zeigen scheint der noch einen leichten Optimismus hervorbringen könnte. Sehen Sie sich zum Beispiel Den Gesang ohne Stimme oder lieber noch Das Rot des Unendlichen an, wo wir von Weitem beinahe noch die Stimme des italienischen Dichters Leopardi hören können mit der er seine Unendlichkeit beschreibt.

Vor unseren Augen entsteht eine zwar sehr kleine Mauer, die aber derartig kompliziert, düster und furchterregend ist, dass sie uns in einen klaustrofobischen Raum einschliesst. Doch werden wir die Entdeckung machen dass wir daraus ausbrechen können, weil dieser Raum innehält und es ihm nicht gelingt die Oberfläche vollständig auszufüllen. Jenseits dieser Wand sehen unsere Augen daher einen roten, intensen und leidenschaftlichen Himmel der unsere Gedanken stimuliert und neue Träume hervorruft. Die Werke dieser Künstlerin scheinen also keinen Lärm zu machen da man, wie uns die Zen-Filosofie lehrt, von jeher nur in der Stille und in einer verkleinerten Dimension die Stimmen derjenigen hören konnte die uns ohne jeglichen Krach mit neuen Zeichen bei der Neuentdeckung unserer eigenene Seele leiten.

Jetzt liegt es also an uns, allen Krach zu unterbrechen der uns umgibt, da, wie Shakespeare andeutet, „es nur von intelligenter Liebe zeugt, mit den Augen zu hören“ (Sonett 23).

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